WARUM SIND DIE ZENTRALASIATISCHEN LÄNDER BEI DER VERFOLGUNG DER UIGUREN SO STILL?

Mansur Mirovalev

24.Februar 2020

Übersetzung aus dem Englischen

von Uigur_Zeiten

Nachdem Pompeo die Staats- und Regierungschefs aufgefordert hatte, das harte Durchgreifen zu verurteilen, sagen Experten dazu, dass Pekings Einfluss in der Region zu stark sei, um Widerstand zu leisten.

Für Arslan Hidayat dreht sich bei der Zurückhaltung der zentralasiatischen Regierungen was Chinas Verfolgung der Uiguren und anderen muslimischen Minderheiten betrifft alles um Pekings Investitionen.

„Für [diese Regierungen] ist dies alles eine Frage der Wirtschaft “, äußerte der 32-jährige uigurische Aktivist gegenüber Al Jazeera, dessen Eltern nach Mao Zedongs Tod aus China geflohen waren, um sich in Australien niederzulassen.

Nach Angaben von Menschenrechtsverbänden, Zeugen und Angehörigen mutmaßlicher Opfer wurden mindestens eine Million Muslime, hauptsächlich Uiguren, in der westlichen chinesischen Provinz Xinjiang in überfüllte „Umerziehungs” -Lager inhaftiert und indoktriniert, während Peking ihre Heimat in eine digitale Dystopie verwandelt, wo jeder Lebensbereich, on und offline, streng überwacht wird.

Uiguren und andere muslimische Organisationen behaupten, dass Hunderttausende in den Lagern gefoltert, sterilisiert und vergewaltigt wurden.

China bestreitet das eigene Fehlverhalten und erklärt, seine Maßnahmen seien keine Form systematischer Diskriminierung, sondern ein Versuch, den Terrorismus einzudämmen. Chinas beträchtliche Investitionen und Handelsbeziehungen haben die zentralasiatischen Staaten an Peking angekettet.

Hidayat, dessen Schwiegervater fast ein Jahr in einem „Umerziehungslager” verbracht hat und dessen engste Freunde immer noch dort sind, sagte, dass „das Beste, was die uigurischen Menschenrechtsverbände, die in Zentralasien dennoch tätig seien, bekommen konnten das Schweigen der Regierungen ist.”
Die Sprache, Kultur, Musik und die Küche von mehr als 10 Millionen Uiguren stammt aus Turkestan, einer historischen Region mit Steppen und Wüsten, die halb so groß wie die Vereinigten Staaten ist und vom kaiserlichen China und Russland in das heutige Zentralasien und Xinjiang unterteilt wird.
Hunderttausende Uiguren leben in Kasachstan, Kirgisistan und Usbekistan, nachdem ihre Vorfahren in mehreren Wellen aus China geflohen waren, seit Peking in den 1860er Jahren gegen muslimische Aufstände vorging.

Noch mehr kasachische und kirgisische Nomaden zogen in die entgegengesetzte Richtung, nachdem das kommunistische Moskau sie gezwungen hatte, sich auf Kollektivfarmen niederzulassen.
Experten und Aktivisten sagten jedoch, dass diese Verbindungen für die Regierungen des modernen Zentralasiens, die Pekings Investitionen und Kredite in zweistelliger Milliardenhöhe erhalten haben, wenig bedeuten.

POMPEOS VERSAGEN

Für den führenden US-Diplomaten schienen die Rechte der chinesischen Muslime ein perfekter Sammelruf zu sein, um diese Regierungen hinter Washington zu vereinen.

„In meinen heutigen privaten Treffen habe ich vor, die Unterdrückung von uigurischen Muslimen, Kasachen und Angehörigen anderer Minderheitengruppen in Xinjiang durch die Kommunistische Partei Chinas zu bereden”, sagte US-Außenminister Mike Pompeo am 3. Februar in Taschkent, der usbekischen Hauptstadt.

Die Treffen, auf die er sich bezog, waren persönliche Gespräche mit jedem Außenminister der fünf „Stans”.

Drei dieser Nationen – Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan – sind das Zuhause einer großen uigurischen Diaspora.

Als Reaktion darauf schien Pompeos usbekischer Amtskollege die Bedenken zurückzuweisen.
„Wir möchten die negativen politischen Folgen des Wettbewerbs zwischen den Großmächten in unserer Region wirklich nicht spüren”, sagte der usbekische Außenminister Abdulaziz Kamilov gegenüber dem US-Beamten.

Die Mächte sind Washington, Moskau und Peking. Letzteres hat sich laut Analysten bereits zum Finanzhegemon Zentralasiens entwickelt.
„Chinas beträchtliche Investitionen und Handelsbeziehungen haben die zentralasiatischen Staaten an [Peking] gekettet”, sagte der in London ansässige Experte Alisher Ilkhamov, Programmmanager des Open Society Eurasia Program, gegenüber Al Jazeera.

SELEKTIVE STILLE

Selbst Zeugenaussagen ehemaliger Umerziehungslagerinsassen, die von Menschenrechtsgruppen gesammelt wurden, reichten nicht aus, um die regionalen Führer zu überzeugen.
„Viele Berichte internationaler Menschenrechtsverbände spiegeln nicht die Realität wider”, sagte der kasachische Präsident Qassym-Jomart Tokayev Anfang Dezember gegenüber dem deutschen Sender Deutsche Welle.
Rund 250.000 Uiguren leben in Kasachstan, das an China grenzt, aber Uiguren und ethnische Kasachen, die vor der Verfolgung fliehen, haben Schwierigkeiten, Asyl zu bekommen , behaupten Aktivisten.

„Es ist sehr schwierig, man kann sagen,es ist unmöglich”, in Kasachstan Asyl zu bekommen , sagte Leila Adilzhan von der Ata-Jurt-Rechtegruppe, die die Notlage chinesischer Muslime dokumentiert und Flüchtlingen rechtliche Hilfe bietet.
Sayragul Sauytbay ist eine ethnische kasachische Frau aus Xinjiang. Sie wurde nach ihrer Einreise in Kasachstan im Jahr 2018 ohne Dokumente mit ihrer Familie abgeschoben.
Nachdem Ata-Jurt interveniert hatte, hob ein kasachisches Gericht die Abschiebungsanordnung auf, aber ihnen wurde Asyl verweigert, obwohl ihr Ehemann kasachischer Staatsangehöriger war. Sie reisten letzten Juni nach Schweden ab.
Während Ata-Jurt für jeden Antragsteller kämpft, treten viele Flüchtlinge nicht mit Menschenrechtsverbänden in Kontakt und werden abgeschoben.
„Wir wissen nicht, wie viele Flüchtlinge heimlich zurückgekehrt sind”, sagte Adilzhan.

AKTIVISTEN WERDEN UNTER DRUCK GESETZT

Im vergangenen Jahr wurde der Chef von Ata-Jurt und Adilzhans Ehemann, ein in China geborener Kasache namens Serikzhan Bilash, verhaftet und wegen „interethnischen Hasses” angeklagt.

Er sagte, er sei gezwungen worden zu zustimmen, dass er Probleme im Zusammenhang mit chinesischen Muslimen aufgeben und dann freigelassen werde.
Im November deportierten Grenzschutzbeamte im benachbarten Usbekistan Gene Bunin, einen russisch-amerikanischen Gelehrten der uigurischen Sprache der Shahit.biz, Online-Sammlung von Zeugnissen Tausender chinesischer Muslime betreibt.
„Ich bin hundertprozentig sicher, dass es mit meiner Arbeit zusammenhängt”, sagte Bunin.

In dem verarmten, bergigen Kirgisistan, in dem seit Jahrzehnten rund 50.000 Uiguren leben und dessen Regierung stark vom Handel mit Krediten Chinas und Pekings abhängt, behaupten einige Uiguren, dass sie von Sicherheitsdiensten überwacht werden.
„Wenn wir einen Feiertag oder eine Hochzeit zelebrieren, sprechen wir nur über Geschäft, Familie oder Freunde, weil die Uiguren in [der kirgisischen Hauptstadt] Bischkek nicht über Politik diskutieren wollen”, sagte ein uigurischer Händler 2017 gegenüber Al Jazeera unter der Bedingung anonym zu bleiben.

In den letzten Monaten fanden in Kirgisistan eine Reihe von Kundgebungen gegen Chinas Politik in Xinjiang statt, und die Polizei verurteilte Dutzende Demonstranten zu Geldstrafen.
Einer von ihnen wurde Ende Januar für zwei Monate festgenommen und Berichten zufolge wegen „Anstiftung zu interethnischem Hass” angeklagt.

Einige uigurische Aktivisten warnen davor, dass Peking mit seinen Darlehen, Investitionen, Infrastrukturprojekten und seiner politischen Unterstützung nach und nach Zentralasien übernehmen wird, von dem Teile seit der Gründung der Großen Seidenstraße vor zwei Jahrtausenden zu China gehörten.

Salih Hudayar, der die East Turkestan National Awakening Movement anführt, einen in Washington ansässigen Verband, verglich die Art und Weise der wirtschaftlichen Übernahme der Region durch das kommunistische China damit wie es Xinjiang seit 1949 einverleibte.

„Langsam hoben sie unsere Unabhängigkeit auf und in dem sie unsere Führer aufkauften und hier sind wir heute”, sagte er zu Al Jazeera.
„Auf lange Sicht werden auch [die zentralasiatischen Regierungen] ihre Unabhängigkeit zugunsten einiger kleiner wirtschaftlicher Vorteile verlieren.”

Quelle: ALJAZEERA

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