Uigurischen Schüler*Innen wird beigebracht, dass sie ihre Muttersprache und Kultur vernachlässigen

Han-Lehrerinnen, die an Schulen für uigurische Kinder arbeiten, berichten über die unschöne Seite ‚des Hilfsprogramms für Xinjiang’, die eine Kampagne der Kommunistischen Partei Chinas ist.

Bitter Winter am 16.09.2020
SUN KAIRUI

Übersetzung aus dem Englischen von Uigur Zeiten

Tausende Han Lehrer*innen aus ganz China werden seit 2017 in die Uigurische Autonome Region Xinjiang entsendet, um einheimischen Kindern im Rahmen der staatlichen Kampagne zur „Sinisierung“ der Region , Mandarin-Chinesisch zu lehren.
Viele derjenigen, die mit Versprechungen der Regierung angelockt werden, begreifen schon bald,dass es sich hierbei wieder um einen weiteren ausgeklügelten Schwindel der Kommunistischen Partei Chinas handelt.

Eine Grundschullehrerin, die seit 2018 in Xinjiang arbeitet erzählte, dass viele uigurische Lehrer entlassen worden seien nachdem neue Han Lehrer ankamen. Die meisten von ihnen wurden dazu gezwungen in ihre Heimatdörfer zurückzukehren.

Bild: Grundschulkinder aus Urumqi, der Hauptstadt Xinjiangs, lesen Kinderreime auf Chinesisch vor

Die Lehrerin glaubt, dass die Auslöschung der uigurischen Sprache, die Zwangseinwirkung der Han-Kultur und die Traditionen in Xinjiangs Kindergärten und Schulen unumkehrbare Schäden an den einheimischen Kindern ausgelöst hätten.

„Sie lernen schnell “, erklärte sie. „Sie sprechen in der Schule selten Uigurisch. Einige haben Uigurisch verlernt. Ich habe ein uigurisches Kind mit seinen Eltern telefonieren gehört. Es ist über jedes Wort gestolpert und nicht fähig gewesen in zusammenhängenden Sätzen zu sprechen.“
„Unser Ziel ist nicht, dass sie Mandarin-Chinesisch gut sprechen, sondern sicherzustellen, dass sie später mal, wenn sie groß sind, nicht gegen die Regierung sind “, setzte die Lehrerin fort. „Sie werden jeden Tag indoktriniert und gezwungen den Namen des Staatsoberhaupts
im Gedächtnis zu behalten. Die Eltern dieser Kinder trauen sich nicht, Einwände gegen diesen ‘patriotischen’ Erziehungsstil zu erheben. Wenn sich Schüler*innen beim Erlernen der chinesischen Sprache nicht bemühen, müssen Lehrer über lokale Regierungsbeamte die Eltern zur Durchführung politischer Erziehung kontaktieren.“

„Diese Eltern haben alle schreckliche Angst, weil sie in ein ‚Transformation durch Bildung-Lager‘ gebracht werden könnten, wenn ihre Kinder sich weigern, Chinesisch zu lernen. “

Eine andere Han-Lehrerin, die um die 20 Jahre alt ist, hat 2 Jahrelang in Xinjiang gearbeitet. Sie erinnerte sich daran wie eine ihrer Schülerinnen, in ihren Armen um ihre Mutter weinte, die in einem Internierungslager festgehalten wurde. „Sie bat mich darum, ihre Mutter zu sein“, erinnerte sich die Lehrerin, sie hätte vom Weinen geschwollene Augen gehabt. Sie fügte hinzu, dass viele ihrer Schüler*innen, Eltern in den Lagern gehabt hätten und manche dort sogar ums Leben gekommen wären. „Die Kinder, die Uigurisch mit ihren Eltern sprachen, konnten es ja nicht mehr, da ihre Eltern inhaftiert waren “, sagte sie.

Eine große Fabrik, umringt von einem Eisengeländer wie im Gefängnis, wurde am Stadtrand erbaut. Viele ehemalige Lager- Inhaftierte leben und arbeiten jetzt dort für ein niedriges Gehalt von einigen hundert Yuan, während im Vergleich ein Han- Arbeiter, mit tausenden Yuan bezahlt wird. Sie dürfen das Gebäude nur hin und wieder verlassen, um ihre Kinder zu sehen und müssen sich jedes Mal beim ,Weggehen‘ und ‚Zurückkommen‘ registrieren.

Bild: In experimentellen Grundschulen Xinjiangs, werden Schüler darin unterrichtet rote chinesische Textbücher zu lesen.

„Es gibt einen ernsthaften Lehrermangel in Xinjiang,“ erzählte der Vater einer Lehrkraft, die in Xinjiang arbeitet, Bitter Winter. Die Schulen erlauben ihnen nicht über die Sommerferien Urlaub oder oder einen Tag frei zu nehmen, da sie fürchten, dass sie nicht wieder zurück kämen. Seine Tochter unterrichtet seit drei Jahren Chinesisch an einer Grundschule in Xinjiang. Obwohl ihre Amtszeit bald ablaufen wird,ist die junge Frau unsicher, ob ihr gestattet wird nach Hause umzukehren.

„Ihre ID-und Parteikarte wurden von den Behörden in Xinjiang eingezogen und lassen sich nicht auf ihre Heimatstadt übertragen. Sogar Verbindungen zur Regierung helfen da nicht; um sie abzurufen,“ erklärte der Vater besorgt. Er gab zu, die Entscheidung seiner Tochter, nach Xinjiang zu gehen, unterstützt zu haben, da die Amtszeit drei Jahre betrug und sie nach ihrer Rückkehr eine bessere Position in einer staatlichen Einrichtung bekommen sollte.

Eine andere Han-Lehrerin kehrte nach zwei Jahren ihrer Lehrtätigkeit in Xinjiang vor dem festgesetzten Stichtag ihrer Amtszeit nach Hause zurück, weil sie unter diesen bedrückenden Bedingungen nicht leben und arbeiten konnte. Dementsprechend kann sie heute an Schulen keine Stellen mehr bekommen und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.

Quelle: Bitter Winter

Uigur Zeiten

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