BBC: Freigekommene uigurische Familie nach dreijähriger Trennung in Australien wieder vereint

BBC News am 11.12.2020

Übersetzung aus dem Englischen von Uigur Zeiten

Ein uigurischer Mann aus Australien wurde nun drei Jahre nach Anlaufen einer Kampagne, die zur Freilassung seiner Ehefrau und seines Kindes aus Xinjiang ins Leben gerufen worden war, mit ihnen zusammengeführt.

Am Donnerstag war es dem australischen Staatsbürger Sadam Abdusalam, seiner Ehefrau Nadira Ömer und ihrem gemeinsamen Sohn Lutfy (3) möglich, dass sie sich als Familie in Sydney wieder vereinten.

Nadira Ömer wurde nach diplomatischen Verhandlungen gestattet, mit ihrem Sohn zusammen aus China auszureisen.

Sie ist ebenfalls eine Angehörige der uigurischen muslimischen Minderheit in China und sagte, dass sie zuvor unter Hausarrest gestanden wäre.

Die Familie hat am Freitag Bilder von ihrem emotionalen Wiedersehen am Flughafen Sydney geteilt. Abdusalam hatte seinen Sohn, der 2017 auf die Welt kam, nie zuvor persönlich gesehen.
„Danke Australien. Vielen Dank euch allen“, twitterte Sadam Abdusalam.

DIE GESCHICHTE EINER DREIJÄHRIGEN TRENNUNG

Sadam Abdulsalam, der bereits ein Jahrzehntelang in Australien gelebt hatte, ging 2016 nach Xinjiang, um seine damalige Freundin Nadira Ömer zu heiraten.

Er kehrte 2017 nach Australien zurück, um seinen Arbeitsdienst wieder anzutreten. Nadira Ömer blieb unterdessen in der Heimat während sie später, im selbigen Jahr Lutfy, den gemeinsamen Sohn zur Welt brachte. Sie wartete für ihren Nachzug immer noch auf ihr Ehegattenvisum. Abdusalam durfte seine Frau und seinen neugeborenen Sohn in der Heimat nicht besuchen, da sein Visumsantrag von der chinesischen Regierung abgelehnt worden war.

Nach Angaben von Familienmitgliedern wurde Ömer kurz nach der Entbindung festgenommen und zwei Wochen später freigelassen, ihr Pass wurde jedoch von den Behörden beschlagnahmt und ihr wurde ebenfalls untersagt, ihre Wohnung zu verlassen.

Während der letzten beiden Jahre forderte Australien China auf, Mutter und Sohn die Ausreise zu genehmigen.

Obwohl Nadira Ömer keine australische Staatsbürgerin ist, wurde ihrem Sohn auf Abdusalams Antrag hin die australische Staatsbürgerschaft erteilt.

Im Februar hatten die chinesischen Behörden mitgeteilt, dass die Eheschließung der beiden nach chinesischem Recht jedoch unwirksam sei und Ömer indes keine Familienzusammenführung wünsche.

Diese Behauptungen äußerte auch ein chinesischer Beamter in einer australischen Fernsehsendung, wobei einige Stunden vergingen als Abdusalam auf Twitter das Bild seiner Frau veröffentlichte: Sie hielt einen handgeschriebenen Zettel fest, worauf stand: „Ich möchte weggehen und mit meinem Mann zusammen sein.“ Auch ihr gemeinsamer Sohn Lutfy war auf dem Foto abgebildet.

Schließlich erhielt das Paar nach sechs Monaten, die Nachrichten auf die sie gewartet hatten.

Der Anwalt Michael Badely äußerte gegenüber BBC: „Wir haben vor zwei bis drei Monaten herausbekommen, dass sie ausreisen können.“

Nachdem Abdusalams Familie am Freitag nach einer komplizierten 48-stündigen Reise mit Zwischenstopp in Shanghai, Hongkong, Port Moresby und Brisbane, endlich Sydney erreichte, dankte Abdusalam dem australischen Außenministerium für ihre „unglaubliche Arbeit” und bedankte sich auch bei seinen Anwälten und den Medien.

„ Ich dachte niemals, dass dieser Tag kommen würde und ich bedanke mich sehr herzlich bei jedem, der hart daran mitgearbeitet hat, um uns wieder miteinander zu vereinen“ sagte er.

Und er ergänzte: „ Mein Traum ist, dass alle meine uigurischen Landsleute wieder mit ihren Familien vereint werden .“

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN VERURTEILT

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen hält China etwa eine Million Uiguren und andere Muslime in Internierungslagern fest. China bestreitet jedoch jegliches Fehlverhalten, da es Terrorismus und religiösen Extremismus bekämpfen und in den Lagern „politische Umerziehung” anbieten würde.

Im Oktober verurteilten 39 Nationen – darunter Australien, Großbritannien, die USA und mehrere europäische Nationen, Chinas Menschenrechtsverletzungen und forderten in einer gemeinsamen Erklärung die Vereinten Nationen auf, die Situation an Brennpunkten wie Hong Kong und Xinjiang offiziell zu untersuchen.

Über die Menschenrechtssituation in Xinjiang und die Lager hieß es, seie man „ zutiefst besorgt.“

UIGUREN EINGESPERRT WEGEN BART UND KOPFTUCH

Es wurden Bedenken über die schwerwiegenden Einschränkungen der Religions-, Bewegungs- und Meinungsfreiheit der Uiguren und der uigurischen Kultur in der Region geäußert.

„Wir haben eine zunehmende Anzahl von Berichten über schwere Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang. Die engmaschige Überwachung richtet sich weiterhin unverhältnismäßig gegen Uiguren und andere Minderheiten, und es gibt immer mehr Berichte über Zwangsarbeit und Geburtenkontrolle einschließlich Sterilisation”, hieß es in der Erklärung.

Quelle: BBC News

Uigur Zeiten

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