Geburtenkontrolle: China lobte sich selbst dafür, dass es uigurische Frauen davor bewahrt „ Baby-Herstellungsmaschinen“

Quartz am 08.01.2020

Übersetzung aus dem Englischen von Uigur Zeiten

In einem gestrigen Artikel teilte China Daily, Pekings staatseigene englischsprachige Propagandazeitung, die ihrer Meinung nach lobenswerten Ergebnisse eines Forschungsberichts über die Demografie von Xinjiang mit.

Der Bericht des Xinjiang Development Research Center ( Forschungszentrum für Entwicklung in Xinjiang), das Teil der staatseigenen Denkfabrik der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften ist, kam zu dem Schluss, dass die Regierungspolitik dort den Extremismus beseitigt und den Geist uigurischer Frauen so „emanzipiert“ habe, dass sie „keine Herstellungsmaschinen für Babys mehr sind “, stellte der Beitrag der China Daily fest.

Die Linie, die die chinesische Regierung fördert, ist besonders beunruhigend, da Forscher und Journalisten die vermehrten Festnahmen der Uiguren im Rahmen eines vom Staat als Anti-Extremismus-bezeichneten Programms, seit mindestens 2017
 dokumentiert haben.

Die Idee, dass uigurische Frauen in einem solchen Szenario frei reproduktive Entscheidungen treffen können, ist höchst fragwürdig – insbesondere im Vergleich zu Chinas langer Geschichte der erzwungenen Familienplanung im Rahmen der Ein-Kind-Politik. Trotz der Schwierigkeiten bei der Berichterstattung über die Geschehnisse in Xinjiang, deuten Berichte aus erster Hand und offizielle Dokumente darauf hin, dass der Staat den uigurischen Frauen strenge reproduktive Entscheidungen aufzwingt.

Im Jahr 2019 berichteten einige Frauen, die aus der Region geflohen waren, dass sie zu Sterilisationen gezwungen worden waren. Und letztes Jahr veröffentlichte Adrian Zenz, ein deutscher Xinjiang-Forscher ausführliche Untersuchungen darüber, die besagten, dass China Frauen systematisch dazu gezwungen habe Verhütungsmittel einzusetzen oder sich Sterilisationen zu unterziehen und sogar ihre Abtreibungen erzwungen habe. Zenz schätzt, dass die Maßnahmen die Geburtenraten unter den Uiguren und anderen Minderheiten im Land drastisch gesenkt haben.

Zenz, Inhaber des Ehrentitels „ Senior Fellow“ der Victims of Communism Memorial Foundation (Gedenkstiftung für die Opfer des Kommunismus) mit Sitz in Washington, D.C. zitierte offizielle Regierungsdokumente, aus denen hervorgeht, dass die Zahl der Sterilisationen vor gut zwei Jahren
in der Region steil angestiegen, während sie anderswo im Land rückläufig ist. Das Ergebnis war ein starker Rückgang der Geburtenraten in ganz Xinjiang, der über dem nationalen Durchschnitt lag: ein Rückgang von 24% in der Region zwischen 2018 und 2019, verglichen mit 4,2% im ganzen Land, laut der Regierungsstatistik. Die immer deutlich werdende Beweislage und die Zeugenaussagen über die erzwungenen Sterilisationen, die uigurische Frauen in China erlitten, veranlasste mehrere Forscher dazu das, was in Xinjiang passiert, als Genozid zu beschreiben.

Der Definition der UN Völkermordkonvention zufolge ist die systematische Unterdrückung von Geburten – die Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb einer bestimmten Bevölkerung gerichtet sind(!) – eine von fünf Handlungen, die einen Völkermord darstellen. China hat die Anschuldigungen, dass es in Xinjiang irgendeine Art von Unterdrückung betreibt, lange zurückgewiesen.

Was die reproduktiven Rechte betrifft, hat China die Unterdrückung von Geburten geleugnet und erklärt, dass es die uigurischen Frauen über Familienplanung aufkläre und staatlich subventionierte Verhütungsmaßnahmen anbiete, die Einzelne freiwillig, annehmen können. Beamte sagen, dass sie jetzt die Politik in Xinjiang in Einklang mit dem bringen, was national angewandt würde.

Im Rahmen der Ein-Kind-Politik Chinas, die 2015 abgeschafft wurde, um allen Paaren die Geburt von zwei Kindern zu ermöglichen, wurden bestimmte Ausnahmen für Gruppen wie ländliche Familien, ethnische Minderheiten und solche, deren Eltern alleinstehende Kinder waren, gemacht. Unabhängig davon haben chinesische Staatsmedien Zenz wiederholt als „Anti-China” und als „Betrüger”, der sich als Akademiker ausgebe, diskreditiert.

Aktivisten haben den Internationalen Strafgerichtshof aufgefordert, eine Untersuchung der mutmaßlichen Gräueltaten Chinas in Xinjiang einzuleiten, aber die Staatsanwälte in Den Haag sagten letzten Monat, sie könnten die Untersuchung der repressiven Politik Pekings dort nicht fortsetzen, da China kein *Unterzeichner des Gerichts ist.( *Anmerkung der Redaktion: China hat das Römische Statut nicht unterzeichnet.)

Als Antwort auf eine Anfrage eines ArsTechnica-Reporters, ob der Tweet der chinesischen Botschaft, in dem die Politik zur Geburtenkontrolle der Regierung in Xinjiang gelobt werde, gegen die Twitter- Regel „hasserfülltes Verhalten“ verstoße, teilte die Plattform mit, dass er nicht gegen die Unternehmensrichtlinien verstoße.

Die Studie zeigt, dass im Zuge der Extremismus-Beseitigung der Geist der uigurischen Frauen in Xinjiang emanzipiert und die Gleichstellung der Geschlechter sowie die reproduktive Gesundheit gefördert wurden, sodass sie nicht mehr länger Maschinen zur Herstellung von Babys sind. Sie sind selbstbewusster und unabhängiger.

Quelle: Quartz

Uigur Zeiten

Next Post

Uiguren in der Türkei befürchten, dass China seinen Covid-19-Impfstoff nutzt, um sie nach Xinjiang deportieren zu lassen

Sun Jan 17 , 2021
Coda Story am 13.01.2021 Übersetzung aus dem Englischen von Uigur Zeiten Ein neues Auslieferungsabkommen zwischen den beiden Ländern könnte für die im Exil Lebenden katastrophal sein Aktivisten sind darum besorgt, dass China den Zugang durch seine Corona-Impfung dazu nutzt, um die Türkei zu Ausschaffungen der im Exil lebenden Uiguren, zurück in die Autonome Region Xinjiang zu zwingen, wo sie Unterdrückung, möglicherweise Zwangsarbeit und Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren ausgesetzt sein würden. Peking ratifizierte jüngst ein Auslieferungsabkommen mit der Türkei. Laut Menschenrechtsorganisationen könnte dieses Dokument verheerende Folgen für die 50.000 Uiguren der Community des Landes haben. Obwohl das Abkommen noch nicht von der […]