HOLOCAUST- GEDENKTAG: Jüdische Persönlichkeiten verurteilen die Verfolgung der Uiguren

Al Jazeera English am 27.01.2021

Übersetzung aus dem Englischen von Uigur Zeiten

Prominente britische Juden weisen auf die Gefahr hin, dass Chinas Behandlung der Uiguren an vergangene Völkermorde erinnert.

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden mindestens eine Million Uiguren in Internierungslagern in der Uiguren-Region, Xinjiang/Ostturkestan inhaftiert [Akte: Huseyin Aldemir / Reuters].

London, Vereinigtes Königreich – Für prominente jüdische Persönlichkeiten im Vereinigten Königreich gibt der Holocaust-Gedenktag Anlass über Chinas Behandlung der Uiguren zu sprechen. Sie sagen, es sei „ihre Pflicht“, dies zu tun.

Der Holocaust-Gedenktag findet jedes Jahr am 27. Januar statt und erinnert an die Menschen, die von Adolf Hitlers Nazideutschland im Zweiten Weltkrieg systematisch getötet wurden – sechs Millionen Juden, viele Roma, Menschen mit Behinderungen und andere – sowie an Opfer späterer Völkermorde in Kambodscha, Ruanda, Bosnien und Herzegowina und Darfur.

Prominente britische Juden haben jetzt auf die Gefahr der zeitgenössischen Ereignisse in der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang hingewiesen, wo sich die Beweise für eine staatlich organisierte Unterdrückungskampagne gegen die Uiguren häufen, die erschreckende Ähnlichkeiten zu
diesen historischen Tragödien, haben würden.

Nach Angaben der Vereinten Nationen werden mindestens eine Million Uiguren, eine überwiegend muslimische Volksgruppe, in den Internierungslagern der Region Ostturkestan/ Xinjiang, die an acht Länder darunter Afghanistan, Pakistan und Indien grenzt, festgehalten.

Mia Hasenson-Gross, die Exekutivdirektorin der jüdischen Menschenrechtsorganisation Rene Cassin sagte, China versuche die Sprache, Kultur und Tradition der Uiguren wirksam zu vernichten.

„Statt zuzulassen, dass sich die Lage nicht so weit zuspitzt, dass Uiguren zu einer anderen Nation werden deren Genozid wir in [der] Zukunft gedenken würden, hätten wir jetzt die Gelegenheit, dieses Geschehen zu verhindern,“ sagte Hasenson-Gross zum Nachrichtensender Al Jazeera.

„Der Holocaust-Gedenktag soll uns an die Gräueltaten erinnern, die passieren können und an die wichtigen Lehren, die wir aus den Anfangsphasen der Gleichgültigkeit und Komplizenschaft ziehen müssen, die diese letzte Handlung der physischen Zerstörung ermöglichen”, sagte sie.

„ SCHRECKLICHES ENTSETZEN IN OSTTURKESTAN/ XINJIANG“

Rene Cassin war am Montag vor dem Holocaust-Gedenktag Mitveranstalter einer interreligiösen Veranstaltung, die das Dilemma der Uiguren verdeutlichte.

Die uigurische Teilnehmerin, Ziba Murat, eine Anwältin sagte, es sei „außerordentlich bedeutsam, unser Leiden anzuerkennen“.

Murats Mutter, eine uigurische Ärztin, wurde im März 2019 in China zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem sie sechs Monate zuvor verschwunden war. Gulshan Abbas wurde offiziell wegen Terrorismus verurteilt, aber Verwandte sagen, sie sei wegen des Menschenrechtsaktivismus ihrer Familienmitglieder in den USA inhaftiert worden.

„Es ist bittersüß mitzuerleben, wie die Situation als schreckliches Entsetzen erkannt wird, die sie ist,“ sagte Murat zu Al Jazeera während sie hinzufügte, nicht „mit Sicherheit” zu wissen, ob ihre Mutter noch am Leben sei. Es ist schwierig, die zusammenhängenden Dinge bis zu diesem Punkt zu erfassen, wichtig ist aber anzuerkennen, dass die internationale Gemeinschaft das „Nie wieder!“ -Mandat nicht erfüllt, sagte sie.

Murat warnte vor einer „unheilvollen Zukunft“ für die uigurische Bevölkerung, solange andere Länder den gewohnten Handel mit Peking weder beenden, noch auf die Schließung der Internierungslager drängen würden. Unsere gesamte ethnische Identität und unser gesamtes Leben wurden zur Zielscheibe gemacht. Das ist die Bedeutung von Genozid“, sagte sie.

„Jede Regierung, die Wert auf Menschenrechte und Menschenwürde legt, muss diese schrecklichen Missbräuche und die vermissten Uiguren bei jeglichen Dialogen mit China, das weitermachen wird, einbringen.”

Eine der Veranstaltungen, die im Zusammenhang mit dem diesjährigen Gedenktag auch auf dieses Thema aufmerksam machte,schloss eine besondere Zeremonie in der Synagoge im Westen Londons, mit ein. „Wir als Überlebende der Intoleranz, der Verfolgung und des ultimativen Genozids und als Sprecher aus Erfahrung‘…glauben, dass wir beides haben, die moralische Autorität und mit ihr, die moralische Pflicht zu handeln,“ sagte Hasenson- Gross.

‚MAN KANN NICHT STILL ZUSEHEN‘

Jonathan Wittenberg, der Oberrabbiner des Masorti-Judentums in Großbritannien, sagte, Peking würde tatsächlich eine „beabsichtigte staatlich geförderte Politik zur Vernichtung ” der Uiguren durch seine Minderheitenbehandlung ausführen.

„Man kann nicht still zusehen, wie solche Dinge auf der Welt passieren”, sagte Wittenberg, dessen Eltern als Flüchtlinge aus Nazideutschland geflohen waren, zu Al Jazeera, nachdem er an der interreligiösen Veranstaltung am Montagabend teilgenommen hatte.

„Hier geht es um unsere gemeinsame Menschheit und das ist ein Aufruf an uns alle”, sagte er. „Es ist sehr wichtig, Verfolgern nicht das Gefühl zu geben über die Macht zu verfügen, alles tun zu können, was sie wollen.” Kritiker der Internierungslager von Ostturkestan/ Xinjiang, einschließlich der britischen Regierung sagen, Insassen des Lagernetzes seien Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt gewesen, einschließlich willkürlicher Haft, Zwangsarbeit, Folter und u.a. Zwangssterilisation.

China bestreitet diese Anschuldigungen und behauptet, die Lager seien „Umerziehungszentren“. Chinesische Beamte haben lange behauptet, dass in Ostturkestan/ Xinjiang eine Massenbildung „Bildung und Ausbildung“ notwendig sei, um die sogenannten „drei bösen Übel des Extremismus, Separatismus und Terrorismus“ zu bekämpfen und die dortige wirtschaftliche Entwicklung anzukurbeln.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hat die chinesische Botschaft in Großbritannien nicht auf die Bitte von Al Jazeera um ihre Stellungnahme geantwortet.

Quelle: Al Jazeera

Uigur Zeiten

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