Internationale Reaktion

HOLOCAUST - GEDENKTAG: Jüdische Persönlichkeiten verurteilen die Verfolgung der Uiguren

Al Jazeera Deutsch

27. Januar 2021

 

Übersetzung aus dem Englischen von Uigur Zeiten

 

Uigur Zeiten 

31. Januar 2021

 

Prominente britische Juden weisen auf die Gefahr hin, dass Chinas Behandlung der Uiguren an vergangene Völkermorde erinnert


Holocaust Gedenktag

 

London, Vereinigtes Königreich – Für prominente jüdische Persönlichkeiten im Vereinigten Königreich gibt der Holocaust-Gedenktag Anlass über Chinas Behandlung der Uiguren zu sprechen. Sie sagen, es sei "ihre Pflicht", dies zu tun.

 

Der Holocaust-Gedenktag findet jedes Jahr am 27. Januar statt und erinnert an die Menschen, die in Adolf Hitlers Nazideutschland im Zweiten Weltkrieg systematisch getötet wurden – sechs Millionen Juden, viele Roma, Menschen mit Behinderungen und andere – sowie an Opfer späterer Völkermorde in Kambodscha, Ruanda, Bosnien und Herzegowina und Darfur.

 

Prominente britische Juden haben jetzt auf die Gefahr der zeitgenössischen Ereignisse in der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang hingewiesen, wo sich die Beweise für eine staatlich organisierte Unterdrückungskampagne gegen die Uiguren häufen, die erschreckende Ähnlichkeiten zu diesen historischen Tragödien haben würden.

 

Nach Angaben der Vereinten Nationen werden mindestens eine Million Uiguren, 

eine überwiegend muslimische Volksgruppe, in den Internierungslagern der Region Ostturkestan/ Xinjiang, die an acht Ländern darunter Afghanistan, Pakistan und Indien grenzt, festgehalten.

 

Mia Hasenson-Gross, die Exekutivdirektorin der jüdischen Menschenrechtsorganisation René Cassin sagte, China versuche die Sprache, Kultur und Tradition der Uiguren wirksam zu vernichten. "Anstatt zuzulassen, dass sich die Lage so weit zuspitzt, dass Uiguren zu einer weiteren Nation werden deren Genozid wir in [der] Zukunft gedenken würden, hätten wir jetzt die Gelegenheit, dieses Geschehen zu verhindern," sagte Hasenson-Gross zum Nachrichtensender Al Jazeera.

 

"Der Holocaust-Gedenktag soll uns an die Gräueltaten erinnern, die passieren können und an die wichtigen Lehren, die wir aus den Anfangsphasen der Gleichgültigkeit und Komplizenschaft ziehen müssen, die diese letzte Handlung

der physischen Zerstörung ermöglichen", sagte sie.

 

, SCHRECKLICHES ENTSETZEN IN OSTTURKESTAN/ XINJIANG"

 

René Cassin war am Montag vor dem Holocaust-Gedenktag Mitveranstalter einer interreligiösen Veranstaltung, die das Dilemma der Uiguren verdeutlichte.

 

Die uigurische Teilnehmerin, Ziba Murat, eine Anwältin sagte, es sei "außerordentlich wichtig unser Leiden anzuerkennen". Murats Mutter, Gulshan Abbas, eine uigurische Ärztin wurde im März 2019 in China zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt nachdem sie sechs Monate zuvor verschwunden war. Sie wurde offiziell wegen Terrorismus verurteilt, aber Verwandte sagen, dass sie wegen des Menschenrechtsaktivismus ihrer Familienmitglieder in den USA inhaftiert worden sei.

 

"Es ist bittersüß mitzuerleben, wie die Situation als schreckliches Entsetzen erkannt wird, die sie ist," sagte Murat zu Al Jazeera während sie hinzufügte, nicht "mit Sicherheit" zu wissen, ob ihre Mutter noch am Leben sei. Es ist schwierig, die zusammenhängenden Dinge bis zu diesem Punkt zu erfassen, wichtig ist aber anzuerkennen, dass die internationale Gemeinschaft das "Nie wieder!" -Mandat nicht erfüllt, sagte sie.

 

Murat warnte vor einer "unheilvollen Zukunft" für die uigurische Bevölkerung,

solange andere Länder den gewohnten Handel mit Peking weder beenden, noch 

auf die Schließung der Internierungslager drängen würden. Unsere gesamte ethnische Identität und unser gesamtes Leben wurden zur Zielscheibe gemacht. 

Das hat die Bedeutung eines Genozids", sagte sie.

 

"Jede Regierung, die Wert auf Menschenrechte und Menschenwürde legt, muss

diese schrecklichen Missbräuche und die vermissten Uiguren bei jeglichen Dialog

mit China, das weitermachen wird, ansprechen."

 

Eine der Veranstaltungen, die im Zusammenhang mit dem diesjährigen Gedenktag auch auf dieses Thema aufmerksam machte, war eine besondere Zeremonie in der Synagoge im Westen Londons. "Wir als Überlebende der Intoleranz, der Verfolgung und des ultimativen Genozids und aus Erfahrung sprechende '... glauben, dass wir beides haben, die moralische Autorität und mit ihr die moralische Pflicht zu handeln," sagte Hasenson- Gross.

 

'MAN KANN NICHT STILL ZUSEHEN'

 

Jonathan Wittenberg, der Oberrabbiner des Masorti-Judentums in Großbritannien, sagte Peking würde tatsächlich eine "beabsichtigte staatlich geförderte Politik zur Vernichtung" der Uiguren durch seine Minderheitenbehandlung ausführen.

 

"Man kann nicht still zusehen, wie solche Dinge auf der Welt passieren", sagte Wittenberg, dessen Eltern als Flüchtlinge aus Nazideutschland geflohen waren,

zu Al Jazeera, nachdem er an der interreligiösen Veranstaltung am Montagabend teilgenommen hatte.

 

"Hier geht es um unsere gemeinsame Menschheit und das ist ein Aufruf an uns alle", sagte er. "Es ist sehr wichtig, Verfolgern nicht das Gefühl zu geben über die Macht zu verfügen, alles tun zu können, was sie wollen."

 

Kritiker der Internierungslager in Ostturkestan/ Xinjiang einschließlich der britischen Regierung sagen, Insassen des Lagernetzes seien Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt gewesen, einschließlich willkürlicher Haft, Zwangsarbeit, Folter und u.a. der Zwangssterilisation.

 

China bestreitet diese Anschuldigungen und behauptet, die Lager seien "Umerziehungszentren". Chinesische Beamte haben lange behauptet, dass in Ostturkestan/ Xinjiang eine Massenbildung "Bildung und Ausbildung" notwendig sei, um die sogenannten "drei bösen Übel des Extremismus, Separatismus und Terrorismus" zu bekämpfen und die dortige wirtschaftliche Entwicklung anzukurbeln.

 

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hat die chinesische Botschaft in Großbritannien nicht auf die Bitte von Al Jazeera um ihre Stellungnahme geantwortet.