Internationale Reaktion

Chinesisches Fernsehen sagt wegen Özil-Kritik Arsenal-Übertragung


Dezember 15, 2019

Der Sender CCTV wirft Mesut Özil laut einem Bericht vor, die chinesischen Fans enttäuscht zu haben. Der Fußballer hatte zuvor die Uiguren-Verfolgung in China kritisiert.

 

Nach Mesut Özils Kritik an der Uiguren-Verfolgung in China hat das dortige Staatsfernsehen die Übertragung des Fußballspiels seines FC Arsenal gegen Manchester City laut einem Bericht gestrichen. Der Spieler habe mit seinen „falschen Kommentaren” die chinesischen Fans und den nationalen Fußballverband „enttäuscht”, berichtete die Staatszeitung Global Times auf ihrem englischsprachigen Twitterkanal. Daher habe der Sender CCTV das Spiel zwischen den beiden englischen Clubs am Sonntagnachmittag aus dem Sendeplan genommen. 

 

Özil hatte zuvor die muslimischen Staaten wegen ihrer Zurückhaltung in der Debatte um die Uiguren-Verfolgung in China kritisiert. Auf Twitter prangerte der ehemalige deutsche Nationalspieler das „Schweigen der muslimischen Brüder” an, während das Thema von westlichen Regierungen und Medien aufgegriffen worden sei. 

 

Der FC Arsenal distanzierte sich von den Äußerungen seines Spielers. Der Inhalt des Posts sei die persönliche Meinung Özils, schrieb der Club auf dem chinesischen Mikroblogging-Dienst Weibo. Arsenal halte sich indes an das Prinzip, keine politischen Statements abzugeben. 

 

Mehr als eine Million Uiguren und andere Muslime befinden sich Menschenrechtsaktivisten zufolge in Umerziehungslagern der chinesischen Behörden in Xinjiang. Nachdem die Regierung in Peking die Existenz der Lager zunächst bestritten hatte, spricht sie heute von „Berufsbildungszentren” zur Deradikalisierung. 

 

Geheimdokumente der chinesischen Führung, die das Internationale Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) veröffentlichte, belegen jedoch, dass es sich um abgeschottete und streng bewachte Umerziehungslager handelt. Demnach werden die Uiguren systematisch verfolgt und massenhaft interniert. 

 

Die Uiguren sind eine turksprachige ethnische Minderheit muslimischen Glaubens im Norden Chinas. Die Kommunisten hatten sich das frühere Ostturkestan der Volksrepublik nach ihrer Machtübernahme 1949 einverleibt. Peking wirft uigurischen Gruppen Terrorismus und Separatismus vor.

 

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, sho144 Kommentare